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2016

  • In den KEK-Sitzungen 2016 wurden intensiv die zum Teil schwierigen Ethikberatungen diskutiert. Ebenso befassten sich die Mitglieder ausführlich mit den in den AGs entwickelte Handreichungen. Darüber hinaus wurden folgende Themen behandelt:

    • Das am 06.11.2015 im Bundestag beschlossene und am 10.12.2015 in Kraft getretene Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Es ist im neuen § 217 nach § 216 (Tötung auf Verlangen) im besonderen Teil des StGB-E verortet. Die geschäftsmäßige (d. h. auf Wiederholung angelegte) Förderung der Selbsttötung steht nun unter Strafe.
    • Die in Großbritannien weltweit erstmals durchgeführte Genmanipulation an gesunden Embryonen im Rahmen eines Forschungsprojektes. Dieses sogenannte gene editing mittels der Methode Crispr/Cas9 wäre nach deutschem Embryonenschutzgesetz nicht verboten.
    • Die „Stellungnahme zu Embryospende, Embryoadoption und elterlicher Verantwortung“ des Deutschen Ethikrates vom 22. März 2016.
    • Der BGH-Beschluss vom 6. Juli 2016 zu den Anforderungen an PV und VV. Die Auswirkungen auf die PV-Praxis bleiben abzuwarten.
    • Der Beschluss des BGH vom 26. Juli 2016 „Die Beschränkung ärztlicher Zwangsbehandlung auf untergebrachte Betreute ist mit staatlicher Schutzpflicht nicht vereinbar“, in dem festgestellt wurde, dass die bis dahin gültige Beschränkung der betreuungsrechtlichen Zwangsbehandlung nicht geschlossen untergebrachte Patienten benachteiligt und damit verfassungswidrig ist.
    • Die seit Oktober 2016 am Klinikum gültige SOP zur Patientenfixierung und die damit verbundenen Probleme in der praktischen Umsetzung.
    • Die Problematik der Reformierung des Hessischen Freiheitsentziehungsgesetzes (Rechtsnorm des Psychisch-Krankengesetzes) „Gesetz über die Entziehung der Freiheit geisteskranker, geistesschwacher, rauschgift- oder alkoholsüchtiger Personen“.
  • Tagung „Ethikberatung in Klinik und Altenpflegeheim – zum Stand der Dinge“ 
    Gemeinsam mit dem Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege veranstaltet das Klinische Ethik-Komitee des Universitätsklinikums am Samstag, den 18. Juni die Tagung „Ethikberatung in Klinik und Altenpflegeheim – zum Stand der Dinge“. 
    Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des KEK im letzten und das zehnjährige Jubiläum des Frankfurter Netzwerks im nächsten Jahr.
    Nähere Informationen finden sie in unserem Veranstaltungsflyer.

  • Projekt DNR:
    In der Septembersitzung diskutierten die KEK-Mitglieder auf Grundlage von Vorlagen aus anderen Häusern und ihrer eigenen Erfahrungen über Notwendigkeit, Umsetzbarkeit und die Möglichkeit einer klinikumsübergreifenden Gestaltung eines DNR-Papiers. Als erste Tendenz ließ sich festhalten, dass die Entwicklung eines klinikumeigenen Papiers begrüßt wird, welches eher kurz als ausführlich und gut in die elektronische Patientenakte integrierbar (für jeden gut sichtbar!) sein sollte. Innerhalb einer AG (siehe oben) soll nun ein entsprechendes Papier ausgearbeitet werden, das kommendes Jahr dann im KEK diskutiert und verabschiedet werden soll.
  • Palliativstation:
    Zum Zeitpunkt der Planung eines neuen Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung hielt Frau Dr. Gog im KEK hierzu einen Vortrag. Ziel des Gesetzentwurfs ist die Verbesserung der Versorgungsstrukturen durch eine organisatorische Umstrukturierung und eine Verbesserung der Finanzierung. In diesem Rahmen gab Frau Dr. Gog auch einen kurzen Überblick über die derzeitigen Arbeitsbedingungen auf der Palliativstation. Nach wie vor ist die Situation kritisch, da der Bedarf an Betten (7 Betten) und an Personal (7 Pflege-, und zwei ärztliche Stellen) dem realen Bedarf kaum gerecht wird. Dadurch lässt sich auch der geforderte Konsiliardienst nicht realisieren.
  • Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung:
    Die Thematik der Gesundheitsvorsorge beschäftigte das KEK auch 2015, u. a. in Vorbereitung auf die Öffentliche Veranstaltung im März zusammen mit dem UCT (siehe oben).
    Frau Wolf-Braun stellte im Mai den KEK-Mitgliedern die Ergebnisse der zusammen mit Herrn Wilke durchgeführten Patientenbefragung zur aktiv angebotenen Gesundheitsvollmacht im Rahmen der Aufklärung vor elektiven Eingriffen vor. Insgesamt kann man sagen, dass die Informationen und Angebote von den interviewten Patienten bisher ausgesprochen positiv angenommen werden.
  • Ethische Probleme in der Behandlung von Kindern mit Transidentitätsstörungen:
    Dr. Thomas Lempp, Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz am Uniklinikum und hier u. a. in der Transidentitätssprechstunde tätig, hielt im KEK einen Vortrag mit dem Titel: „Die medizinethische Debatte zur pubertätshemmenden Hormontherapie bei Kindern mit Geschlechtsidentitätsstörung“. Herr Lempp schilderte umfassend die Problematik bei der Beratung und Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher. Die moralische Debatte ist gekennzeichnet von drei Fragestellungen:
    Handelt es sich um eine psychische Erkrankung? Die Behandlung ist in der Psychiatrie angesiedelt. Welchen Stellenwert hat die verpflichtende begleitende Psychotherapie? Und welches ist der geeignete Zeitpunkt für erste somato- medizinische Maßnahmen – pubertätshemmende Hormonbehandlung ja oder nein? Das KEK wird dieses Thema weiter verfolgen, indem Mitglieder der Geschäftsführung künftig am AK Rhein-Main Transsexualität teilnehmen.
  • Organtransplantation:
    Auch das Thema postmortale Organtransplantation war 2015 im KEK präsent. So berichtete Frau Wolf-Braun regelmäßig von ihrer Teilnahme am Qualitätszirkel Organspende des Uniklinikums. In der Augustsitzung referierte PD Dr. Jan Mersmann über den Stand am UFK und ethische Probleme im Zusammenhang mit Transplantation. Herr Mersmann ist Haupttransplantationsbeauftragter des Uniklinikums und arbeitet mit jeweils einem Transplantationsbeauftragten der Stationen B3, C1, 95-3 und 32-2 zusammen. In seinem Vortrag ging es unter anderem um die ethische Problematik einer Gruppe von Patienten, die eine infauste Prognose haben und als Organspender in Frage kämen, aber (noch) nicht die Kriterien des Hirntodes erfüllen. In solchen Fällen stellt sich z. B. die Frage, über welchen Zeitraum es vertretbar ist, organerhaltend weiter zu therapieren, bis evtl. der Hirntod (nach den derzeit geltenden Kriterien) eintritt. Ebenso wurde die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt für Angehörigengespräche aufgeworfen. Als Ergebnis der Diskussion wurde die Planung einer Arbeitsgruppe beschlossen, deren Ziel die Erarbeitung eines Positionspapiers zu den angesprochenen Problemen ist.
  • Empfehlungen zum Umgang mit traumatisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern:
    Frau Thomana Igel (Leiterin der Personalberatungsstelle des Uniklinikums) stellte den KEK-Mit