Was ist KiSS?

Das Kindersprachscreening (KiSS) ist ein systematisches und standardisiertes Verfahren zur Überprüfung und Beobachtung des Sprachstands durch pädagogische Fachkräfte (unter Einbeziehung von Erzieher-/innen und Sprachexperten) in hessischen Kindertagesstätten und richtet sich an 4 bis 4½-jährige mit Deutsch als Muttersprache oder Zweitsprache. Das KiSS dient der Bestimmung der sprachlichen Fähigkeiten sowie des Kommunikationsverhaltens und ermittelt, ob die Sprachentwicklung des Kindes altersgemäß ist, ein Förderbedarf besteht oder weitere ärztliche Abklärung erfolgen sollte. Letztendlich gilt es, die Bildungschancen aller Kinder zu verbessern und Fehleinschätzungen oder unentdeckte Entwicklungsrückstände im Bereich Sprache vorzubeugen. Hierzu werden zentrale Bereiche der Sprachentwicklung eines Kindes erfasst.

Was geschieht mit den Daten des Kindes?

Mithilfe der Informationen aus dem Screening- sowie dem Eltern- und Kitabogen wird ein Kinderbogen mit den Ergebnissen erstellt. Im Auftrag des zuständigen Gesundheitsamtes wird der Kinderbogen am Hessischen Kindervorsorgezentrum (HKVZ) vom Bereich KiSS ausgewertet. Auf personenbezogene Daten darf nur das zuständige Gesundheitsamt zugreifen. Das Gesundheitsamt sorgt dafür, dass die Eltern über den Sprachstand ihres Kindes schriftlich und/oder in einem persönlichen Gespräch mit der/dem Erzieher-/innen informiert werden. Das Gesundheitsamt kann die erfassten Daten später bei der Schuleingangsuntersuchung des Kindes verwenden. Im Hessischen Kindervorsorgezentrum (HKVZ) werden die Daten noch ein Jahr nach der Schuleingangsuntersuchung gespeichert und danach anonymisiert.

Hat das KiSS eine wissenschaftliche Grundlage?

Ja, das KiSS wurde von Wissenschaftlern der Universitäten Frankfurt am Main, Gießen und Kassel entwickelt und getestet. Es beruht auf medizinischen, pädagogischen und sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen. Aus diesem Grund waren an seiner Entwicklung Ärzte, Erzieher, Psychologen und Sprachwissenschaftler beteiligt. Das KiSS erfüllt die strengen Kriterien, die von wissenschaftlicher Seite an Sprachscreenings gestellt werden.

Ist das KiSS für Kinder mit Migrationshintergrund genauso gut geeignet?

Ja, das KiSS eignet sich sowohl für Kinder ohne als auch Kinder mit Migrationshintergrund. Es spielt keine Rolle, ob ein Kind in Deutschland oder im Ausland geboren ist und ob es nur Deutsch oder noch eine oder mehrere Fremdsprachen zu Hause spricht.

Warum wurde das KiSS eingeführt?

Durch die Einführung des KiSS werden die Bildungschancen aller teilnehmenden Kinder in hessischen Kindertagesstätten vor der Einschulung verbessert. Mit dem KiSS soll die umfassende Erhebung der sprachlichen Fähigkeiten erreicht und Fehleinschätzungen oder unentdeckten Entwicklungsrückständen im Bereich Sprache vorgebeugt werden. Darüber hinaus stellt das KiSS eine fachgerechte Grundlage für eine frühzeitige sprachliche Förderung dar. Ein weiteres Ziel der Einführung ist es, die Bildungsqualität bezüglich Sprache an hessischen Kindertagesstätten zu standardisieren.

Was genau wird mit dem KiSS überprüft?

Das KiSS überprüft verschiedene Bereiche der kindlichen Sprache. Das sind Spontansprache, Sprachverständnis, Wortschatz, Aussprache, Grammatik und phonologisches Arbeitsgedächtnis. Daneben liefert es Hinweise auf Redeflussstörungen (wie z.B. Stottern) und Stimmstörungen.

Woraus besteht das KiSS im Einzelnen?

Bildvorlage: Eine zeichnerische Darstellung eines Abenteuerspielplatzes mit alterstypischen Situationen, Personen und Objekten wird dem Kind vorgelegt.

Screeningbogen: Dieser beinhaltet Fragen, die sich auf die Bildvorlage beziehen.

Kitabogen: Dieser beinhaltet Fragen zur sprachlichen Entwicklung des Kindes in der Kindertagesstätte und zu Faktoren, die die sprachliche Entwicklung dort beeinflussen.

Elternbogen: Dieser beinhaltet Fragen zur bisherigen sprachlichen Entwicklung des Kindes im heimischen Umfeld und zu Faktoren, die die sprachliche Entwicklung dort beeinflussen. Zum Elternbogen gehören zusätzlich ein Elterninformationsschreiben und eine Einverständniserklärung. Für nicht deutschsprachige Eltern liegen die Unterlagen in 15 Fremdsprachen vor.

Kinderbogen: Dieser beinhaltet eine Zusammenfassung der Informationen aus dem Eltern-, Kita- und Screeningbogen sowie eine Einschätzung zu Auffälligkeiten.

Elternbrief: Eltern erhalten von dem für sie zuständigen Gesundheitsamt einen Elternbrief, in dem die Einschätzung der sprachlichen Entwicklung und im Falle einer sprachlichen Auffälligkeit  Empfehlungen zum weiteren Vorgehen mitgeteilt werden.

Die Ergebnisse der Bögen werden in einem Kinderbogen zusammengetragen, um daraus ein Profil zu erstellen, aus dem die Kompetenzen des Kindes abgelesen werden können. Das Verfahren ermöglicht die Einschätzung des Sprachstandes als unauffällig, sprachpädagogisch förderbedürftig und medizinisch abklärungsbedürftig. Bei Kindern mit sprachpädagogischem Förderbedarf lassen sich anhand des Profils individuelle Förderziele ablesen, die nach den Grundsätzen des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes (BEP) umgesetzt werden können. Sollte ein Kind medizinisch abklärungsbedürftig sein, wird dieses von einer/einem Sprachexpertin/-en des Gesundheitsamtes erneut überprüft und eventuell eine Vorstellung bei einer/einem Kinderärztin/-arzt empfohlen.

Qualitätsmerkmale des KiSS

Das hessische Verfahren unterscheidet sich maßgeblich durch zwei wesentliche Aspekte von anderen Verfahren. Einerseits ist es die Entscheidung, auf die Kompetenz der Erzieher-/innen zu setzen. Sie als Vertrauenspersonen der Kinder an zentraler Position in einem standardisierten und einem ärztliche Diagnostik vorbereitenden Verfahren einzusetzen, beweist sich dauerhaft als auffälliger Vorsprung gegenüber anderen Verfahren. Andererseits ist es die Unterscheidung zwischen „Medizinisch auffällig mit Abklärungs-/Therapiebedarf“ und „Allgemeiner Sprachförderbedarf“. Die Mercator-Studie 2013 bescheinigt dem Konzept von KiSS eine hohe Qualität. In dieser Studie wurden verschiedene Sprachstandsverfahren analysiert und darin bewertet, in wie weit sie die erforderlichen Qualitätsmerkmalen (Berücksichtigung der sprachlichen Basisqualifikationen, Validität, Objektivität, Reliabilität, Normierung, Fehlerquote, Qualifizierung der pädago