Erstes PET/CT in Hessen geht in Betrieb

Seit Oktober 2007 ist am Zentrum der Radiologie des Universitätsklinikums Frankfurt/Main das hessenweit erste Gerät zur kombinierten Aufnahme der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der Computertomographie (CT) in Betrieb.

Damit steht in der Mainmetropole nun das modernste Verfahren für die Krebsdiagnostik zur Verfügung. Mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) bestehen hier bereits umfangreiche Erfahrungen. So wurden seit 1994 nahezu 10.000 Patienten mit dem nun ersetzten Gerät untersucht. „Das jetzt installierte PET/CT bringt entscheidende Verbesserungen für die diagnostische Sicherheit und für den Patientenkomfort“ erklärt Professor Dr. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin. „Mit diesem Hybridgerät können Tumoren im gesamten Körper exakt lokalisiert werden, gleichzeitig kann deren Stoffwechsel und Wachstumsverhalten gemessen werden“ so Professor Dr. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie. Dies erlaubt eine Charakterisierung von Tumoreigenschaften und damit sowohl die Unterscheidung bösartiger von gutartigen Tumoren als auch die Beurteilung der Wirkung von Chemotherapie, Strahlentherapie und anderer Behandlungen. So kann z.B. die Wirkung der Lasertherapie auf Lebertumoren frühzeitig erfasst werden.

 

„Aus der modernen Strahlentherapie ist dieses Verfahren nicht mehr wegzudenken“ konstatiert Professor Dr. Claus Rödel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie am Universitätsklinikum. So kann die PET/CT sowohl zur optimalen Planung der Strahlentherapie als auch zur Beurteilung des Therapieerfolges eingesetzt werden.

Vor über 70 Jahren beobachtete man, dass Krebszellen einen erhöhten Zuckerverbrauch haben. Nun ist es möglich, diese Erkenntnis zum Wohl des Patienten zu nutzen. Mit der PET kann der Traubenzuckerstoffwechsel gemessen und bildlich dargestellt werden. Dazu wird dem Patienten ein schwach radioaktiv markierter Zucker gegeben und anschließend dessen Verteilung im Körper untersucht. Sehr häufig wird die PET eingesetzt, um das Wiederauftreten einer Tumorerkrankung im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen frühzeitig zu erkennen, damit eine entsprechende Behandlung rechtzeitig erfolgen kann.

Absiedelungen von Krebszellen in anderen Organen können mit der PET frühzeitig erfasst werden. Ein großer Vorteil der Methode ist die Möglichkeit, den gesamten Körper mit einer einzigen Untersuchung beurteilen zu können. Durch das neue Gerät kann die Untersuchungszeit nun auf etwa 30 Minuten verkürzt werden. Neben dem Traubenzuckerverbrauch, der insbesondere bei Tumoren von Lunge, Darm, Haut, Lymphknoten, Brust und Schilddrüse entscheidend ist, lassen sich auch andere Stoffwechselvorgänge untersuchen. Bei Prostatakarzinomen wird ein radioaktives Cholinpräparat eingesetzt, bei sogenannten neuroendokrinen Tumoren können spezifische Rezeptoreigenschaften mit DOTATOC bestimmt werden, welches auch zur Behandlung Anwendung findet.

PET/CT des Universitätsklinikums Frankfurt

Aber nicht nur bei Tumoren kann das Gerät eingesetzt werden, auch bei zahlreichen Hirnerkrankungen ist die Stoffwechselmessung oft die beste Methode zur Früherkennung. Diese gehen fast immer mit Veränderungen des Stoffwechsels einher, welche oft sehr früh auftreten und in vielen Fällen schon nachzuweisen sind, wenn noch keine Schädigungen des Hirngewebes mit anderen Verfahren zu erfassen sind. Insbesondere bei der Alzheimer-Demenz sind ganz typische Stoffwechselmuster zu beobachten, die damit eine Unterscheidung von gefäßbedingten Durchblutungsstörungen oder anderen Krankheiten ermöglichen.

In Frankfurt bestehen durch das Alzheimer-Forschungszentrum ausgezeichnete Möglichkeiten zu einer klinischen und wissenschaftliche Kooperation, vor allem mit der Psychiatrischen und der Neurologischen Klinik. So lässt sich die Wirkung von neuentwickelten Medikamenten, die für verschiedene Formen der Demenz eingesetzt werden, am Ergebnis der PET-Untersuchung frühzeitig ablesen.

Für die Diagnostik von Bewegungsstörungen, zu denen zum Beispiel die Parkinson-Erkrankung gehört, steht daneben auch die Darstellung von Bindungseigenschaften von Botenstoffen mit der F-18-DOPA-PET zur Verfügung, um so frühzeitig andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Ein weiteres Anwendungsgebiet für die PET sind Herzerkrankungen. Mit der Messung des Zuckerstoffwechsels kann gezeigt werden, daß Herzmuskelgewebe lebensfähig ist. Dies ist u.a. vor einer Bypass-Operation wichtig, um zu wissen, ob eine Verbesserung der Herzmuskeldurchblutung auch zu einer Steigerung der Herzleistung führt.