KLEINES MÄDCHEN ÜBERWINDET GROSSE KRANKHEIT MIT HILFE MODERNSTER TECHNOLOGIE

Erstmals konnten maßgefertigte Elektroden von CorTec bei einer Epilepsie-Operation am Universitätsklinikum Frankfurt eingesetzt werden: Die siebenjährige Patientin ist seither anfallsfrei.

Epilepsie ist eine extrem belastende Erkrankung, ganz besonders für Kinder wie die siebenjährige Nora. Ihr Alltag war bislang von bis zu 30 derart starken epileptischen Anfällen pro Tag geprägt, dass Nora häufig bewusstlos wurde und stürzte. Da die Anfälle nicht vorhersehbar waren und jederzeit sehr plötzlich auftreten konnten, musste Nora rund um die Uhr überwacht werden, um ihr im Notfall beizustehen und zu verhindern, dass sie sich während eines Anfalls verletzt.

Ein normales Leben mit Kindergarten, Schule und Spielen mit Freunden war für die kleine Nora unmöglich. Zudem hat die Krankheit ihre körperliche und geistige Entwicklung stark gehemmt. Momentan zur Verfügung stehende Medikamente konnten Nora nur unzureichend helfen – wie einem Drittel aller Epilepsiepatienten insgesamt.

Dank einer neuen Technologie konnte Nora nun am Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie (ZNN) des Universitätsklinikums Frankfurt geholfen werden. Maßgefertigte Grid-Elektroden von CorTec unterstützten die prä-operative Diagnostik dabei, das erkrankte Hirngewebe zu identifizieren, das die Anfälle auslöste, um es anschließend operativ zu entfernen. Eine Vielzahl von Elektroden-Kontakten deckte dabei das betroffene Hirnareal passgenau ab. Dies ermöglichte eine optimale Lokalisation des erkrankten Gewebes gegenüber benachbarten gesunden Arealen, die bei der anschließenden Operation möglichst geschont werden sollten.

Dr. Martin Schüttler, CTO von CorTec, erläutert, wie die neuartigen Grid-Elektroden entstehen: „Basierend auf Kernspin-Aufnahmen vom Gehirn der Patientin haben wir für sie die Elektrode nach Vorgaben des Universitätsklinikums maßgefertigt. Unsere neuartige lasergestützte Herstellungstechnologie ermöglicht uns die Produktion von sehr weichen und dünnen Kontaktmatten, die sich dank ihrer Flexibilität der gekrümmten Oberfläche des Gehirns anpassen können.“

Über mehrere Tage hinweg wurde Noras Gehirn ausführlich ‚kartografiert‘, um gesunde und kranke Hirnareale genau zu identifizieren. In einer fünfstündigen Operation konnte der Neurochirurg PD Dr. Thomas Freiman, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am ZNN, daraufhin die problematische Gehirnregion gezielt entfernen.

„Die besondere Weichheit und Flexibilität der Elektrode sowie ihr individueller Zuschnitt auf die Patientin haben den schwierigen chirurgischen Eingriff bei diesem Kind enorm erleichtert“, berichtet Freiman. „Dabei hat sich die Elektrode als überaus schonend und gewebefreundlich erwiesen. Auch nach zehn Tagen Implantation wurde die Elektrode vom Körper noch außergewöhnlich gut toleriert. Unerwünschte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel sonst häufig auftretende Blutungen, haben wir nicht beobachtet.“

Der Erfolg des chirurgischen Eingriffs ist beachtlich: Seit der Operation vor einem Monat hatte Nora keine Anfälle mehr. Seit Beginn ihrer Krankheit war das noch nie vorgekommen. Jetzt freut sie sich auf eine sechsmonatige Rehabilitation, in der sie sich erholen und Entwicklungsschritte aufholen kann. Es deutet alles darauf hin, dass die Operation mit Hilfe neuester Technologie die Erkrankung besiegt hat. Der kleinen Patientin eröffnen sich damit beste Perspektiven auf ein normales Leben als Kind wie später auch als Erwachsene.

 

Kontakt:
PD Dr. Thomas Freiman
Leitender Oberarzt Klinik für Neurochirurgie
Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie (ZNN)
Universitätsklinikum Frankfurt
Tel.: (069) 6301-5295

CorTec Pressemitteilung

 

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2016, Rhein-Main-Zeitung, Seite 38

Eingriffe am Hirn werden leichter

Neurochirurgen diskutieren Forschungserkenntnisse
Wiederkehrende Kopfschmerzen und Krampfanfälle können viele Ursachen haben. Manchmal verursacht ein Tumor oder eine Einblutung im Kopf die Beschwerden. Präzisere Bilder und neue Forschungserkenntnisse haben dazu geführt, dass Veränderungen im Gehirn erkannt und operiert werden können. Über die Fortschritte auf diesem Fachgebiet haben sich von Sonntag bis gestern mehr als 1200 Neurochirurgen im Kongresszentum ausgetauscht.
Die Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, die zuletzt vor 24 Jahren in Frankfurt stattfand, ist nach Angaben von Tagungspräsident Volker Seifert die größte Zusammenkunft der spezialisierten Chirurgen in Deutschland. Zum ersten Mal nahmen daran fast 100 Mitglieder der koreanischen Schwestergesellschaft teil. Seifert, der das Fachgebiet an der Frankfurter Universitätsklinik leitet, hat als Präsident der Fachgesellschaft die Tagung mit seinen Mitarbeitern ausgerichtet.
Zu den Hauptthemen des Kongresses gehörten die Behandlung von Hirntumoren, Aneurysmen, Hirnblutungen und Epilepsien ebenso wie die Wirbelsäulenchirurgie und Bildgebungsverfahren. Die Forscher aus Frankfurt hätten auf diesen Gebieten Pionierarbeit geleistet, sagte Seifert.
Zum einen wissen die Ärzte heute mehr über den Aufbau des Gehirns und an welchem Punkt bestimmte Körperfunktionen gesteuert werden. Zum anderen haben sich die bildgebenden Verfahren verbessert. Nervenbahnen, Blutgefäße, Gewebe und Tumoren sind auf den Aufnahmen dieser Geräte gestochen scharf zu erkennen. Neue Medizintechnik ermöglicht es, Informationen zu bündeln und während der Operation abzurufen. Der Neurochirurg muss sich nicht mehr nur auf das verlassen, was er durch ein Mikroskop erkennen kann, sondern kann zum Beispiel die Position von Nervenbahnen aus zuvor gemachten Röntgenbildern einblenden.
Viele Ärzte rieten Patienten noch immer von einer Operation am Gehirn ab, berichtete Thomas Freiman, der sich auf Epilepsien spezialisiert hat. Sie fürchteten, dass der Operierte hinterher unter Lähmungen, Sprachstörungen oder anderen kognitiven Einschränkungen leiden könnte. Dabei sei dieses Risiko inzwischen gering, vielmehr erhöhe ein Eingriff oft die Lebensqualität und verlängere die Lebenszeit, so Freiman. Das gelte nicht nur für Patienten mit Epilepsie, sondern auch für solche mit arteriellen Erweiterungen im Gehirn, die platzen könnten, sowie Hirnblutungen und Tumoren, ergänzte Seifert. Dadurch, dass Hirntumoren mit der neuen Technik radikaler entfernt werden könnten als früher, verdoppele sich die Überlebenszeit für die Patienten, berichtete der Tumorexperte Christian Senft.
Die Wirbelsäulenchirurgen hätten beim Kongress über den Nutzen einer Operation für alte Patienten diskutiert, berichtete Lutz Weise. Während jüngere Patienten eher ruhiggestellt würden, damit gebrochene Knochen ausheilen könnten, müssten Ältere schnell operiert werden, damit sie ihre Mobilität nicht verlören. Studien hätten gezeigt, dass eine Operation für sie trotz aller Risiken von Vorteil sei.

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