Die strukturelle Entwicklung der Inneren Medizin in Frankfurt von den Anfängen bis heute

Bereits im Jahre 1882, in der Eröffnungsrede des ersten Kongresses für Innere Medizin in Wiesbaden, wurde von dem damaligen Direktor der II. Medizinischen Klinik der Charite in Berlin Theodor Frerichs (1819-1885) die Innere Medizin wie folgt beschrieben: „Ist doch der Umfang der ärztlichen Wissenschaft soweit gewachsen, dass kein einzelner das Ganze in allen seinen Teilen umfassen und beherrschen kann.“

Mit Übernahme des Ordinariats der II. Medizinischen Klinik durch Prof. Joachim Frey im Jahr 1960 begannen große strukturelle Neugestaltungen der Inneren Medizin an der Frankfurter Klinik. Frey hatte die Entwicklung einer Großklinik mit breitem Leistungsspektrum durch mehrere Spezialgebiete in der Inneren Medizin in der Zeit von 1946 bis 1960 als Oberarzt bei Prof. Ludwig Heilmeyer an der Freiburger Universitätsklinik miterlebt. Frey selber hatte sich bereits an der Freiburger Klinik der Nephrologie zugewandt und hat unmittelbar nach Amtsantritt in Frankfurt begonnen, die Forschungsschwerpunkte der Inneren Medizin auszubauen. In der von ihm übernommenen Frankfurter Klinik existierte bereits durch Freys Vorgänger Max Gänsslen der Schwerpunkt Hämatologie, die nun Prof. Helmut Martin vertrat. Weitere bereits vorhandene Schwerpunkte waren die Pneumologie (Prof. Radenbach), und die Hämostaseologie (Prof. Jürgens). Frey ergänzte diese Spezialgebiete durch die Einrichtung einer Kardiologie (Prof. Kaltenbach), Gastroenterologie und Hepatologie (Prof. Göggel) und der Nuklearmedizin, damals Isotopenmedizin, die in der Frühphase als Streitobjekt zwischen Innerer Medizin und der sich zunehmend verselbständigen Radiologie zu sehen war.

Bald war durch die räumliche und personelle Situation der Ausbau der II. Medizinischen Klinik nicht weiter möglich. So entstand bei Frey bereits 1962 erstmals der Plan „aus der alten I. und II. Medizinischen Universitätsklinik ein Zentrum mit moderner Departmentstruktur zu schaffen.“

Für diese Umwandlung benötigte Frey innerhalb der I. Medizinischen Klinik einen Mitstreiter. Dies sollten der Oberarzt der I. Medizinischen Klinik, Prof. Karl Schöffling, sowie der Angiologe, Prof. Klaus Breddin, sein. Schöffling hatte während eines Forschungsaufenthaltes in den USA das Departmentsystem in den Kliniken dort kennengelernt. Anfang 1967 wurde Schöffling Leiter der Abteilung für Innere Medizin an der neu gegründeten Universität Ulm und lernte hier unter dem Rektor der Universität, Prof. Heilmeyer, ein Zentrum der Inneren Medizin in der Gründungsphase kennen. Bereits Ende des gleichen Jahres ereilte ihn der Ruf zurück an die Frankfurter Universität, wo er die Einrichtung eines Departmentsystems nun entscheiden vorangetrieben hat.

Im Februar 1966 legte Frey der Fakultät einen Plan vor mit dem Titel „Neue Formen der Inneren Medizin nach dem Prinzip der Abteilungen“, der zum Ziel hatte, die Innere Medizin nach Verschmelzen der I. und II. Medizinischen Klinik mit gemeinsamer Direktion und Poliklinik neu zu gestalten.

Diesen Umstrukturierungsplänen standen jedoch einige Lehrstuhlinhaber äußerst skeptisch gegenüber. In einem Anschreiben von Prof. Siede an den Hessischen Kultusminister vom 15.12.1967 kritisierte er diese radikale Umstrukturierung der Inneren Medizin und stellte ein 16 Seiten umfassendes alternatives Konzept zur Neugestaltung dar. Hiernach sollten „fest umrissene Spezialabteilungen in die bestehenden Kernkliniken organisatorisch fixiert eingebaut werden und die bestehenden Institutionen ohne Eingriffe in ihre Integrität ausgebaut werden.“

Trotz dieser großen Bedenken seitens Siede konnte sich die Umsetzung der Departmentstruktur, vertreten durch Frey und Schöffling, rasch durchsetzen.

Im „ersten Vorschlag der Professoren Frey, Siede, Pirlet und Schöffling zur vorläufigen Ordnung des Zentrums der Inneren Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main“ hieß es: „Am 17.1.1968 sind die Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frey, Siede und Schöffling übereingekommen, gemäß dem Beschluß der Fakultät, die Einrichtungen der Inneren Medizin der Universität Frankfurt zu einem Zentrum der Inneren Medizin zu vereinigen. Das Zentrum der Inneren Medizin wird danach in „definitive Untereinheiten“, die Fachabteilungen (Gastroenterologie, Endokrinologie, Nephrologie, Hämatologie und physikalisch-diätetische Therapie), deren Leiter C 4 Stellen besetzten, eingeteilt. Zusätzlich entstehen „prospektive Abteilungen“, die Fachsektionen (Angiologie, Kardiologie und Pulmologie), denen erst später der Abteilungsstatus zuteil wurde und bei denen es sich um C 3 Stellen handelte.

Als am 12.05.1970 das Hessische Universitätsgesetz in Kraft trat, hatte