Mitral- und Trikuspidalklappe

 

Erkrankungen und Funktionsstörungen

Klappenenge: Klappen können durch verschiedene Erkrankungen zu eng werden ("Klappenstenose"), das heißt, sie bieten dem Blutstrom einen zu hohen Widerstand. Folglich steigt im vorgeschalteten Abschnitt des Kreislaufsystems der Druck, der nötig ist, um die entsprechende Blutmenge durch die kleine Öffnung zu treiben.

Klappenundichtigkeit: Durch verschiedene Mechanismen können Klappen undicht und damit "insuffizient" werden. Die Folge ist eine Volumensbelastung der Herzkammern, das heißt, die Herzkammern müssen jeweils das für die Versorgung des Körpers notwendige Blutvolumen und das Leckvolumen pumpen.

Kombinierte Vitien: Es gibt alle Varianten der Kombination von Stenose und Insuffizienz.

Ursachen von Herzklappenerkrankungen

Klappenerkrankungen können verschiedene Ursachen haben, die oftmals auch in Kombination vorliegen.

Angeborene Herzklappenfehler:
Der häufigste angeborene Herzklappenfehler ist die sogenannte bicuspide Aortenklappe (bei 2% der Bevölkerung). Hier besteht die Klappe nicht aus drei, sondern nur aus zwei Taschen. Die mechanische Belastung ist dadurch deutlich höher.
Die häufigste Manifestiation ist beim Kleinkind die Stenose, beim jungen Erwachsenen die Undichtigkeit und im höheren Alter die verkalkte Klappenstenose.
Angeborene Störungen der Mitralklappe sind seltener, am häufigsten ist hier der Spalt im vorderen Mitralsegel (Cleft) als Teil einer unterschiedlich ausgebildeten komplexen Missbildung - dem sogenannten partiellen oder kompletten AV-Kanal.
Seltener bestehen Pulmonalklappenstenosen, die zurzeit meist durch Ballondehnung behandelt werden.

Degenerative Klappenerkrankungen:
Diese Form der Gewebsschwäche ist am häufigsten bei der Mitralklappe und führt zur Undichtigkeit. Eine mögliche Ursache ist eine arterielle Hochdruckerkrankung. Da der Rest der Segelstruktur noch normal erhalten ist, sind diese Erkrankungen meist rekonstruierbar.
Gewebsschwächen an der Aortenklappe treten seltener auf.

Degenerative verkalkte Klappenerkrankungen:
Diese Form der Klappenerkrankung führt meist zur Verengung und tritt am häufigsten an der Aortenklappe bei älteren Patienten auf, seltener an der Mitralklappe.
Risikofaktoren sind eine allgemeine Arteriosklerose, Bluthochdruck und Klappenvorschädigungen, z.B. die bicuspide Klappe oder eine abgelaufene Endokarditis. Hier ist immer ein Klappenersatz notwendig.

Klappenentzündungen (Endokarditis):
Die meist durch Bakterien hervorgerufenen Entzündungen können einen sehr unterschiedlichen klinischen Schweregrad erreichen: zum Teil werden sie während eines Krankheitsverlaufes - ähnlich einem grippalen Infekt - nicht weiter auffällig, im Extremfall können sie aber zur schwersten Klappenzerstörung mit septischem Krankheitsbild führen.
Die Folgen sind neben der schweren infektiösen Erkrankung die Klappendestruktion mit Undichtigkeit sowie die Bildung von "Vegetationen", das ist ein Gemisch aus Bakterienrasen und Blutgerinnseln. Letztere können durch Verschleppung ("Embolie") zu Gefäßverschlüssen führen, am häufigsten sind die klinischen Symptome des Schlaganfalls.
Bei dieser Erkrankung ist die betroffene Klappe unter günstigen Voraussetzungen rekonstruierbar, ansonsten muss sie ersetzt werden.

Rheumatische Klappenerkrankungen:
Durch die Anwendung von Antibiotika sieht man diese Erkrankung meist nur bei Patienten aus weniger entwickelten Ländern.
Durch einen bakteriellen Infekt ausgelöst, kommt es zu einer Entzündung der Klappensegel, die eine chronische Veränderung mit Schrumpfung und Verdickung der Klappen nach sich zieht. Auch hier ist meist ein Klappenersatz notwendig.

Sekundäre Klappenveränderungen:
So nennt man Klappenveränderungen, die aufgrund anderer Klappenerkrankungen auftreten. Bedingt sind diese häufig durch eine Dehnung des Klappenringes über die Deckfläche der Schließkörper hinaus, z.B. bei einer Vergrößerung der Herzkammer mit nachfolgender Undichtigkeit der Mitralklappe, was bei Herzmuskelerk