Über unsere Geschichte

Das Neurologische Institut ist das älteste Hirnforschungsinstitut Deutschlands. Seine Anfänge reichen zurück auf das Jahr 1883. Damals ließ sich sein Begründer, der deutsch-jüdische Arzt Ludwig Edinger (1855-1918), als einer der ersten Spezialisten auf dem Gebiet der Nervenheilkunde in Frankfurt am Main nieder. Ab 1885 arbeitete er im Senckenbergischen Anatomischen Institut eng mit dessen Direktor Carl Weigert (1845-1904) zusammen, dem wegen seiner jüdischen Herkunft ebenfalls die Berufung an eine deutsche Universität verwehrt geblieben war. 1902 richtete Edinger dort ein eigenes Labor ein, 1907 finanzierte er in der neu erbauten Senckenbergischen Pathologie die Ausstattung des zweiten Stockwerks. Edinger nannte sein Institut Neurologisches Institut, für einige Jahre verwendete er den Begriff Dr. Senckenbergisches Neurologisches Institut. Mit dieser interdisziplinär ausgerichteten Arbeitsstätte zur Erforschung des Nervensystems wollte er eine Brücke zwischen Hirnforschung und Psychologie schlagen. 1912 gehörte Edinger zu den Stiftern der 1914 eröffneten Frankfurter Universität und errichtete für den Unterhalt seines Instituts die Ludwig Edinger-Stiftung, deren Satzung erst 1919 formell in Kraft trat. 
Bis 1933 wurden am Neurologischen Institut drei neurowissenschaftliche Grundlagendisziplinen begründet: die Vergleichende Neurologie (Ludwig Edinger), die Neuropsychologie (Kurt Goldstein; 1865-1965), die Paläoneurologie (Tilly Edinger, 1897-1967). Nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten musste Edingers Tochter das Institut verlassen, konnte aber noch ihren Nachfolger bestimmen, den mit ihr befreundeten Ernst Scharrer (1905-1965), der gemeinsam mit seiner Ehefrau Berta (1906-1995) eine vierte neurowissenschaftliche Grundlagendisziplin am Neurologischen Institut begründete: die Neuroendokrinologie. 
1938 wurde die Ludwig Edinger-Stiftung umbenannt in “Stiftung für Neurologie”. Jedwede Erinnerung an ihren jüdischen Begründer sollte ausgelöscht werden. 1937 bis 1943 war Georg Peters (1910-1976) Assistent am Neurologischen Institut und veröffentlichte mit dem Physiologen Rudolf Thauer (1906-1986), der das Institut von 1941 bis 1943 auch kommissarisch leitete, mehrere Arbeiten zur cerebralen Wärmeregulation des Organismus, die als kriegsrelevante Forschungen anzusehen sind. So gehörte Thauer im Oktober 1942 zu den Teilnehmern der geheimen Tagung über „Ärztliche Fragen bei Seenot und Winternot“ in Nürnberg, auf der auch über tödliche Unterkühlungsversuche mit KZ-Häftlingen berichtet wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fokussierte Wilhelm Krücke (1911-1988) das Neurologische Institut auf das Gebiet der Neuropathologie. Seit 1937 war er Assistent von Hugo Spatz (1888-1969) gewesen, dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung in Berlin-Buch (KWI-H), und an dessen neuropathologischen Arbeiten für das Sanitätswesen der Luftwaffe beteiligt. 

Von 1962 bis 1978 gehörte das Edinger-Institut zur Max-Planck-Gesellschaft. Das Edinger-Institut fungierte 1962 unter der Leitung von Krücke als Gründungsinstitut für das neu erbaute Max-Planck-Institut für Hirnforschung (MPI-H, vormals KWI-H Berlin) in Frankfurt am Main. Das Neurologische Institut (Edinger-Institut) verschmolz dabei mit der Neuropathologischen Abteilung des MPI-H, die von Krücke in Personalunion geleitet wurde. Mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung kamen zahlreiche Unterlagen und Gehirnpräparate, die aus dem KWI-H in Berlin stammten nach Frankfurt, darunter die Sammlungen der KWI-H Direktoren Hallervorden und Spatz. Diese Sammlungen verschmolzen mit den Beständen des Neurologischen Instituts und wurden auch nach der erfolgten Trennung vom MPI-H nicht separiert. Nach Krückes Emeritierung 1978 schloss die Max-Planck-Gesellschaft ihre neuropathologische Abteilung am MPI-H. Das Neurologische Institut verblieb aber im Gebäude, nunmehr als eigenständiges Institut für Neuropathologie des Klinikums der Goethe-Universität. Auch die Sammlungsbestände verblieben im Gebäude des MPI-H. In den 1980er Jahren lösten Historiker bzw. Journalisten wie Götz Aly (geb. 1947) und Ernst Klee (1942-2013) einen internationalen Skandal aus, indem sie nachwiesen, dass sich insbesondere unter den Hirnschnitten des KWI-Neuropathologen Julius Hallervorden (1882-1965) Material befand, das von NS-Euthanasieopfern stammte. Zwischen dem Neurologischen Institut, dass seit 1979 von Ekkehard Thomas und 1984 bis 2000 von Wolfgang Schlote geleitet wurde, entstand seinerzeit eine öffentlich geführte Diskussion mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung, wie mit den belasteten Präparaten angemessen umzugehen sei.

Im Jahre 2001 übernahm Karl H. Plate die Leitung des Neurologischen Instituts, führte molekular-diagnostische Methoden ein und etablierte sechs neurowissenschaftliche Nachwuchsgruppen. Plate gründete 2005 den Sonderforschungsbereich/Transregio23 „Vascular differentiation and remodelling“, der bis 2017 von der DFG gefördert wurde. Unte